Von Marc Ingel
GERRESHEIM | In der Schweizer Siedlung in Gerresheim ist die Welt eigentlich noch in Ordnung. Zwischen Berner und Luzerner, Züricher und Baseler Weg kennen und grüßen sich die Menschen, es gibt bescheidene, aber auch durchaus ansehnliche Häuschen, ein bunter Mix halt, der da unweit der Bertastraße gewachsen ist. So ein bisschen wirkt das Leben wie in einer autarken Blase; wer hier nicht wohnt, der kommt auch nicht hierher, warum auch?
Mit der Gelassenheit und Ruhe ist seit gut drei Jahren aber vorbei. Die Menschen fühlen sich vernachlässigt, und der Ärger richtet sich gegen die Stadt. Sprachrohr der Anwohner ist der Garten-Verein Berta 3, Hauptquartier das Vereinsheim am Thuner Weg. Es sind gleich mehrere Punkte, die kritisiert werden, das Fass zum Überlaufen gebracht hat aber der Zustand des Spielplatzes am Schaffhausener Weg – lange so etwas wie „der“ Treffpunkt für die vielen Familien mit Kindern in der Siedlung.
Im Januar 2022 richtete der Berta-3-Vorsitzende Günter Kuhnke erstmals einen Brief an die Bezirksvertretung 7 mit dem Hinweis auf den fragwürdigen Zustand nach knapp 25 Jahren. „Defekte oder verschlissene Geräte wurden zwar abgebaut, aber nicht erneuert“, so Kuhnke. Schon damals sei ihm bei einem Ortstermin mit dem Gartenamt versichert worden, Ausbesserungsarbeiten seien kein Problem, „für neue Spielgeräte fehlt aber das Geld“.
Von der Bezirksverwaltungsstelle kam dann auch prompt die Antwort, man werde sich erstens kümmern und der Verein solle doch zweitens konkrete Vorschläge für eine Verbesserung unterbreiten. Da ließ sich Carmen de Haan vom Kinderausschuss der Berta 3 nicht zweimal bitten und steuerte jede Menge Ideen bei: von einer Kletterwand über die lang ersehnte Rückkehr einer Tischtennisplatte (fehlt seit 2008), ein feststehendes Tor für den Bolzplatz und einen Sonnenschutz bis hin zum Austausch der abgenutzten Wipptiere. „Früher kamen auch die Kinder der umliegenden Kitas zu unserem Spielplatz, aber dann mussten stattdessen wir zu teilweise mehr als drei Kilometer entfernten Ausweichmöglichkeiten fahren“, erklärte de Haan damals.
Jetzt, knapp drei Jahre später, steht sie wieder auf dem Spielplatz und sagt: „Es hat sich gut wie nichts getan.“ Nicht einmal der zugesagte Austausch der Hängebrücke zwischen den beiden Klettertürmen sei erfolgt. Diese sei vielmehr durch einen Balken ersetzt worden, der wiederum auf beiden Seiten durch zwei Querbalken versperrt sei. An den Wipptieren sei ein wenig herumgemalt, eine defekte Schaukel ausgetauscht worden. „Das war’s aber auch“, so de Haan.
Von der Stadt heißt es, der Spielplatz erfülle alle vorgegebenen Standards und sei zuletzt 2022 im Rahmen der Unterhaltung aufgewertet worden. „Dabei wurde die Spielkombination aufgearbeitet und die ehemalige Hängebrücke durch einen neuen Balancierbalken ersetzt. Zudem hat die Verwaltung insgesamt vier Bäume auf dem Gelände gepflanzt, die in Zukunft Schatten rund um das Spielangebot spenden“, so ein Sprecher. Und weiter: „Derzeit ist der Spielplatz nicht zur Umgestaltung im städtischen Masterplan Kinderspielplätze vorgesehen.“ Immerhin: Die Verwaltung nehme den Wunsch nach weiterer Aufwertung gerne auf und prüfe, inwiefern die Attraktivität des Spielplatzes im Rahmen der Unterhaltungsmaßnahmen gesteigert werden kann.
Nun ist das mit dem Spielplatz längst nicht alles, was die Menschen in der Schweizer Siedlung nervt. Dass etwa eine der neuen Radleitrouten vom Zamenhof- zum Hellweg direkt durch die Siedlung führt, kann Kuhnke nicht nachvollziehen: „Externe Radfahrer klingeln sich jetzt rücksichtlos den Weg frei, obwohl es sich hier doch um eine Spielstraße handelt.“
Für die in diesem Fall angesprochene geplante Radleitroute 6 seien die Trassenverläufe bisher lediglich grob skizziert, sie sollen im nächsten Schritt durch Machbarkeitsstudien näher untersucht werden, heißt es von der Stadt. „Dabei werden auch tatsächliche Nutzungen wie die hier genannte Spielstraße und diesbezügliche Einschränkungen berücksichtigt. Im Zuge dessen wird auch eine alternative Trassenführung geprüft“, verspricht ein Stadtsprecher. Der genaue Verlauf der Radleitrouten, so auch der der Radleitroute 6, werde auf Basis der Machbarkeitsstudien in verschiedenen Leistungsphasen untersucht, abgewogen und geplant. Es gibt in diesem Fall also noch Hoffnung für die Schweizer Siedlung.
Weniger Hoffnung macht die Stadt dem Kleingartenverein bei einem anderen Punkt: der vermeintlich übermäßigen Neubebauung in der Siedlung und der damit einhergehenden zunehmenden Versiegelung. Für die vier aufgeführten Bauvorhaben gebe es rechtsgültige Baugenehmigungen, denen jeweils ein Genehmigungsverfahren unter Beteiligung mehrerer Ämter vorausgegangen sei. Und gegen das verbotswidrige Parken, ebenfalls ein Kritikpunkt, gehe man mit regelmäßigen Kontrollen vor. „Eine erhöhte Anzahl von Verkehrsverstößen sowie ein erhöhtes Beschwerdeaufkommen sind aktuell aber nicht festzustellen“, heißt es dazu vom Amt für Verkehrsmanagement.
Info
Eine Kommission für die städtischen Spielplätze
Aufgabe Die Spielplatzkommission gibt Empfehlungen zur Gestaltung oder Aufwertung der Anlagen.
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